Kapitel 1

Blick in den Himmel

Was wir sehen, wenn wir nachts nach oben schauen.

Der Himmel als göttliche Ordnung

Seit Jahrtausenden schauen Menschen in den Himmel — und versuchen, ihn zu verstehen.

~3000 v. Chr.
Babylonier und Ägypter kartieren den Sternenhimmel systematisch, entwickeln Kalender und erkennen Planetenbewegungen.
~700 v. Chr.
Die Sieben-Tage-Woche entstand im alten Babylonien. Die Babylonier kannten sieben Himmelskörper, die sich vor dem Fixsternhimmel bewegten.
~585 v. Chr.
Thales von Milet sagt eine Sonnenfinsternis voraus – die erste wissenschaftliche Astronomie.
~240 v. Chr.
Eratosthenes berechnet den Erdumfang mit bemerkenswerter Genauigkeit.
~150 n. Chr.
Ptolemäus formuliert das geozentrische Weltbild (Almagest) – es dominiert 1.400 Jahre.

„Ich weiß, dass ich sterblich bin und nur einen Tag lebe. Aber wenn ich den dichten Zug der Sterne verfolge, berühren meine Füße die Erde nicht mehr."

— Claudius Ptolemäus, Almagest

Unsere Sieben-Tage-Woche

Die Wochentage sind von den sieben Wandelsternen abgeleitet, welche die Menschen seit jeher freiäugig sehen. Sie bewegen sich vor dem scheinbar fixen Sternenhimmel.

Die Welt beginnt sich zu drehen

Seit Jahrtausenden schauen Menschen in den Himmel — und versuchen, ihn zu verstehen.

1543
Nikolaus Kopernikus veröffentlicht das heliozentrische Modell: Die Erde umkreist die Sonne.
1572
Tycho Brahe beobachtet eine Supernovae und beweist, dass der Himmel veränderlich ist.
1609
Johannes Kepler formuliert die Gesetze der Planetenbewegung.
1610
Galileo Galilei richtet das Teleskop auf den Himmel: Jupitermonde, Venusphasen, Mondkrater – der Beweis für Kopernikus.

1:2:4 um Jupiter

Die Umlaufzeiten der Monde Io, Europa und Ganymed sind präzise aufeinander abgestimmt.

Vor über 400 Jahren richteten Galileo Galilei und Simon Marius erstmals Teleskope auf den Jupiter und entdeckten, dass Io, Europa, Ganymed und Kallisto nicht die Erde, sondern den Jupiter umkreisen – ein sichtbarer Widerspruch zum damals vorherrschenden geozentrischen Weltbild. Wer die Monde tatsächlich zuerst beobachtete, bleibt unklar. Simon Marius durfte den einzelnen Monden ihre Namen geben, doch zu Ehren Galileis werden sie heute als die Galileischen Monde bezeichnet. Bereits nach wenigen Wochen der Beobachtung erkannte man, dass drei von ihnen auf resonanten Bahnen unterwegs sind.

Die Welt wird größer

Die Erkundung der Welt folgt jetzt den strengen Regeln der Naturwissenschaft. Präzise Beobachtungen, mit den neuen Möglichkeiten der Optik, belegen die Ideen der Theroretiker.

1687
Isaac Newton erklärt die Planetenbewegungen durch die Gravitation (Principia Mathematica).
1781
William Herschel entdeckt Uranus – den ersten Planet, der nicht mit bloßem Auge sichtbar ist. Mit 2,5 Lichtstunden ist er das Objekt mit der größten bekannten Entfernung.
1838
Friedrich Wilhelm Bessel gelingt, woran Genertionen von Astronomen scheiterten: Die Messung der Entfernung zu einem Stern mittels Sternenparallaxe, mit einem Teleskop von Frauenhofer. Er bestimmte die Entfernung zu 61 Cygni auf 10 Lichtjahre.
1846
Le Verriers berechnet eine mathematische Vorhersage, mit der Johann Gottfried Galle an der Berliner Sternenwarte Neptun entdeckt. Ein Triumph der Newtonschen Physik.
Quelle: Wikipedia ↗

Planet 13

Mit der Entdeckung des Neptun wuchs die Zahl der Planet unseres Sonnensystems auf 13 und erreichte ihren Höhepunkt. Eine neue Klasse von Himmelskörpern sollte her.

Die Anzahl der als Planet bezeichneten Himmelskörper zeigt, wie unsere Beschreibung des Sonnensystems mit den Fortschritten in der Beobachtung immer präziser geworden ist. Damit hat sich auch die Bedeutung des Wortes Planet immer wieder gewandelt. Mit der Entdeckung von Pallas (1802) wurde der Planetenstatus zunehmend zweifelhaft. Obwohl eine offizielle Definition fehlte, bezeichnete man die heutigen Zwerg- und Kleinplaneten spätestens ab den 1850er Jahren nicht mehr als Planet. Pluto bildete später eine vorübergehende Ausnahme.

Planeten (planets), Zwergplaneten (dwarf planets) und Kleinplaneten (minor planets) befinden sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne. Planeten dominieren ihre Bahn, im Gegensatz zu Zwergplaneten. Beide haben aufgrund ihrer Eigengravitation eine annähernd runde Form.

Das goldene Zeitalter der Physik

Neuartige physikalische Theorien, kontraintuitive Experimente und unerwartete Beobachtungen verändern unsere Vorstellung des Universums grundsätzlich.

1923
Edwin Hubble beweist, dass der Andromedanebel eine eigene Galaxie ist, die rund eine Million Lichtjahre entfernt ist. Das Universum ist unermesslich groß.
1930
Pluto wird entdeckt und zunächst als neunter Planet begriffen.

Nomen est omen

Die Namen unserer Himmelskörper stammen meist aus der antiken römisch-griechischen Götterwelt.

Die Menschen der europäischen Antike benannten Himmelskörper nach Figuren aus ihrer Mythologie. In der Neuzeit setzten sich diese Namen weltweit gegen Bezeichnungen anderer Kulturen durch. So tragen die Planeten im Chinesischen beispielsweise Namen, die den fünf Elementen zugeordnet sind.

Mit der Entdeckung weiterer Himmelskörper entstand die Notwendigkeit neuer Namen. Obwohl die antiken Mythen längst keine religiöse Bedeutung mehr hatten, hielt die Astronomie an dem römisch-griechischen Prinzip fest. Nur John Herschel durchbrach diese Tradition, indem er die Monde des von seinem Vater William entdeckten Planeten Uranus nach literarischen Figuren aus Werken von Shakespeare und Pope benannte. Erst in jüngerer Zeit finden auch Mythen außerhalb Europas Berücksichtigung.

Abgebildet sind alle Planeten, alle Zwergplaneten und Monde ab einem Durchmesser von 50 Kilometern.

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